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https://evangelische-zeitung.de/philosoph-und-tierrechtler-peter-singer-wird-80-jahre-alt/   Philosoph und Tierrechtler Peter Singer wird 80 Jahre alt - Evangelische Zeitung

Philosoph und Tierrechtler Peter Singer wird 80 Jahre alt, Ein unbequemer Denker   Von Anna Mertens (KNA) 26. Jun 2026· 4 Minuten Lesezeit

Er ist Vorreiter der Tierethik. Zugleich gilt er als Philosoph mit äußerst streitbaren Thesen, etwa aufgrund seines Blicks auf Suizidbeihilfe oder Abtreibungen. Der Australier Singer wird am 6. Juli 80 Jahre alt.

Peter Singer hat auf Instagram den Papst kritisiert. Der 79-Jährige, der rund 36.000 Follower hat, schrieb vor gut zwei Wochen, dass die neue Enzyklika von Leo XIV. nicht ein einziges Mal - bei rund 42.000 Wörtern - die Milliarden an Tieren erwähne, deren Leben oder Sterben bereits von Künstlicher Intelligenz beeinflusst werde.

Der Philosoph Singer bleibt sich treu und steht für Tierrechte ein, wo und wie er kann. Am 6. Juli wird der Ethiker, der unter anderem an der renommierten Princeton University in den USA lehrte, 80 Jahre alt.

Singer wurde 1946 in Melbourne geboren. Seine jüdischen Eltern waren vor den Nationalsozialisten aus Wien nach Australien geflohen. Seinen Abschluss in Philosophie machte Singer in seiner Heimat, für seine Doktorarbeit ging er nach Oxford. Dort folgte eine mehrjährige Anstellung als Wissenschaftler. Später zog er weiter nach New York und von dort zurück nach Melbourne.

Singer ist ein Vertreter des Utilitarismus, genauer des Präferenzutilitarismus. Ziel seiner Moralphilosophie ist es, mit einer Handlung oder einer Norm allen davon betroffenen Menschen möglichst viel Freude und Gutes zu verschaffen. Die Grundzüge des Utilitarismus, der sich vom Englischen "utility" ("Nutzen" oder "Nützlichkeit") ableitet, finden sich bei Jeremy Bentham (1748-1832) und John Stuart Mill (1806-1873).

Ein besonderer Aspekt des Präferenzutilitarismus ist das Abwägen aller Interessen. Das persönliche Interesse ist dabei laut Singer per se nicht mehr wert als das Interesse eines anderen Menschen oder auch eines Tieres.

Mit seinem Buch "Die Befreiung der Tiere" (1975) wurde Singer zum Vorreiter der Tierrechtsbewegung - eine Haltung, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Idee, dass der Mensch dem Tier überlegen sei, entspringe der falschen christlichen Annahme, der Mensch sei die "Krönung der Schöpfung", so seine Argumentation.

Das Abwägen von Interessen und die Maximierung des Nutzens überträgt der Philosoph auch auf Arme und Bedürftige. In "The Expanding Circle" (1981) und in späteren Werken wie "Leben retten: Wie sich Armut abschaffen lässt - und warum wir es nicht tun" (2010) oder "Effektiver Altruismus" (2016) spricht sich Singer beispielsweise für eine gerechtere Verteilung der weltweiten Finanzmittel aus. Dabei kann aus seiner Sicht jeder zum Beispiel durch systematisches Spenden helfen - ohne Überforderung oder große Opfer.

Doch Singers Utilitarismus bezieht sich nicht allein auf Tierrechte oder Armutsbekämpfung. Auch in der Medizinethik wendet der Philosoph das utilitaristische Prinzip konsequent an. So vertritt er Positionen zu Schwangerschaftsabbruch, schwerstbehinderten Neugeborenen und Suizidbeihilfe, die von vielen Menschen - insbesondere religiösen Gemeinschaften, Behindertenverbänden und Teilen der Medizinethik - scharf kritisiert werden.

Bereits in "Praktische Ethik" (1979) vertritt Singer die Position, dass Eltern - im Sinne des größtmöglichen Nutzens für alle Beteiligten - das Recht und die Möglichkeit haben sollten, Embryos mit schweren Behinderungen abzutreiben, da sie keine Selbstwahrnehmung hätten und daher keine "Personen" seien.

Auch hält Singer es in gewissen Fällen für gerechtfertigt, wenn Eltern ihre nicht lebensfähigen Neugeborenen töten. "Ein Frühgeborenes im Alter von 23 Wochen hat keinen anderen moralischen Status als ein Kind mit 25 Wochen in der Gebärmutter", sagte Singer in einem Interview. Ob man eine Beatmungsmaschine abschalte oder eine tödliche Injektion verabreiche, sei moralisch gesehen unerheblich.

Ähnlich radikal formuliert der Philosoph seine Haltung zur Suizidbeihilfe. "Wer sein Leben nicht mehr für lebenswert hält und einen vernünftigen Grund hat zu glauben, dass sich das nicht ändert, sollte Zugang (zu einem Sterbemittel) bekommen", sagte Singer.

Schließlich könne jemand sich als Belastung für die Familie empfinden und auch die Familie belasten; da sei es nicht unbedingt unvernünftig, das eigene Leben zu beenden. Konsequent, sagen die einen - moralisch hochproblematisch, die anderen.

#Ethik#Medizinethik#Philosophie#Tierrechte